WÖLFE in der EU
Das Thema Wölfe löst verschiedene Emotionen aus. Die Beziehungen zwischen Mensch und Wolf sind mit unserer Geschichte verwoben und von Mythen verschleiert. In vielen Ländern bis zur Ausrottung gejagt, erwecken sie auch eine gewisse Sehnsucht nach der verloren gegangenen Wildnis. Erfreulicherweise erleben Wölfe wieder ein Comeback. Die Gründe für ihre vehemente Bejagung allerdings bestehen trotz der Veränderungen unserer Landschaftsräume, geänderter Gesetze und Ansätze auch weiterhin.
Die Erhaltung von Großraubtieren und ihre Koexistenz mit den Menschen sind eine Herausforderung für Europa, denn nur wenige Areale in Europa sind als Reviere für Großraubtiere geeeignet. Ihr Vorkommen in multipel genutzten Landschaftsräumen bringt daher eine Reihe von Interessenskonflikten mit dem Menschen mit sich. In jüngerer Zeit wurde dem Wolfsmanagement in Europa verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet, da diese sich als zunehmend anpassungsfähig erwiesen hatten, sich in diese multipel genutzten Landschaftsräume auszubreiten. Gleichzeitig hat diese Ausbreitung auch zu einer zunehmenden Polarisierung zwischen den Stadt- und Landmenschen und Naturerhaltern und Naturschützern geführt.
Wölfe sind Großraubtiere. Sie benötigen weitläufige Aktionsräume. Es dauert daher nicht lange, bis sie auf den Menschen – und seine Nutztiere – stoßen. Dies hat zum Wiederaufflammen der einst schon bestehenden ernsthaften Konflikte zwischen Mensch und Tier geführt, nur dass Europa heute viel stärker besiedelt und entwickelt ist und daher stärkere Konflikte als in der Vergangenheit nach sich zieht. Menschen, die in Gebieten mit Wolfsbeständen leben, haben große Probleme und wollen häufig nicht noch mehr Wölfe akzeptieren.
Die Bejagung ist eine Managementmaßnahme, mit der zugleich auch sozio-ökonomische Probleme gelöst werden sollen: der Einsatz von Jägern als Erfüllungsgehilfen für die Erhaltung von Wölfen ist sowohl eine praktische Maßnahme als auch ein gezielter Versuch, Konflikte zu reduzieren, in dem die ländliche Bevölkerung dazu ermächtigt wird, im Rahmen nachhaltiger, respektvoller und kontrollierter Bedingungen zu agieren.

FACE Experten der nationalen Verbände der Jagd und Naturerhaltung aus 6 EU Mitgliedstaaten, die im Bereich des Wolfsmanagement aktiv sind, hatten sich hierzu in einer informellen Zusammenkunft mit EU-Umweltkommissar Potocnik in Brüssel zur Erörterung des Managements von Großraubtieren in Europa getroffen. FACE drängt die Kommission darauf hin, eigene Leitlinien zu implementieren und frühzeitig greifende Optionen für das Management wachsender Wolfspopulationen vorzusehen, vor allem, wenn die Rückkehr der Wölfe nach Europa erfolgreich sein soll. Außerdem drängt FACE die Kommission darauf hin, den Dialog zwischen den verschiedenen Stakeholdern in der Debatte um das Management von Großraubtieren zu erleichtern. Der Kommissar zeigte sich äußerst konstruktiv in den Diskussionen, wies aber auch darauf hin, dass die EU zwar die Rahmenbedingungen schaffen kann, es aber den Mitgliedstaaten obliegt, ihre Managementpläne innerhalb der geltenden Bestimmungen und abgestimmt auf die Situation in den jeweiligen Ländern, umzusetzen.
Im Mittelpunkt des zweiten Besuchstages stand eine Sonderkonferenz im Europäischen Parlament zum Management von Großraubtieren. Unter der Schirmherrschaft der Parlamentarischen Intergruppe Nachhaltige Jagd und ihrer Präsidentin und MdEP Véronique Mathieu, stellten der Präsident des französichen Jagdverbands Fédération Nationale des Chasseurs Bernard Baudin, und der Präsident des schwedischen Jagdverbandes Svenska Jägareförbundet Torsten Mörner das Großraubtier-Management in ihren jeweiligen Ländern vor. Die Direktorin der Direktion Natur der GD UMWELT Pia Bucella und sowie der Leiter des Referats Natur der GD UMWELT Stefan Leiner repräsentierten die Europäische Kommission in der anschließenden Diskussion. Sie erläuterten, dass die Rolle der Kommssion darin besteht, den durch die Habitatrichtlinie der EU vorgesehenen Mindestrahmen aufrechtzuerhalten, es aber Aufgabe der Mitgliedstaaten ist, zu entscheiden, welche Umsetzungdetails erforderlich sind, um die Erhaltungsziele der Richtlinie zu erreichen.
Die Realität zeigt, dass die Wölfe sich vermehren und in Bewegung sind: die Konflikte mit Wölfen innerhalb der EU beschränken sich heute nicht mehr alleine auf Schweden. Die Kommission hatte gegen Schweden Mitte Juni 2011ein Verfahren gegen bestimmte Inhalte der schwedischen Wolfspolitik, einschließlich der genehmigten Wolfjagd in 2010 und 2011 eingeleitet. In Deutschland breitet sich der Wolf weiter aus. Einzelne Wölfe haben die Schweiz erreicht und in Frankreich sind Wölfe in zwei neuen Départements gesichtet worden. Wölfe werden sich wahrscheinlich noch weiter ausbreiten und wieder ansiedeln, allerdings geschieht dies in einem zunehmend konfliktbehaftetem Klima. Wir sollten von der Situation in Amerika lernen. Dort hatten sich die Wolfsbestände erholt, waren dann aber dann auch weiterhin geschützt worden, was schließlich zu einer starken Gegenbewegung führte. In Montana war der Bestand auf rund 1000 Individuen angewachsen, so dass der Gesetzgeber schließlich auf den Druck der Öffentlichkeit hin beschloss, den Bestand auf maximal 150 Individuen zu beschränken, da die Gesellschaft ignoriert worden war.
„Eine der größten Herausforderungen für die Erhaltung der Biodiversität heutzutage ist die Frage, wie man den Schutz von Arten unterstützen kann, die weltweit zwar hohes Ansehen, auf lokaler Ebene aber nur wenig oder sogar negatives Ansehen genießen“ Dickman u.a. 2011.
Jäger fungieren als einzigartige Brücke, wenn es um die Realisierung optimaler Lösungen geht. FACE und seine Mitglieder setzen sich vehement für optimale Ergebnisse sowohl für den Menschen als auch den Wolf ein. Sehen Sie zugehörigen Beitrag
Foto von: Martin Hoejsgaard |